Territorialitätsprinzip erklärt
Steuerglossar
In diesem Glossar-Eintrag erklären wir, was das Territorialitätsprinzip ist und welche Vorteile beziehungsweise Nachteile es hat.
Bekannt aus
Territorialitätsprinzip
Das Wichtigste in Kürze
Das Territorialitätsprinzip beschränkt die Besteuerung auf inländische Einkünfte und vermeidet damit die Belastung von ausländischen Einkünften. Während es Steuervereinfachung und Investitionsanreize schafft, birgt es Risiken für Steuervermeidung und unfaire Steuerpraktiken. Es ist daher ein wichtiger, aber kontroverser Ansatz im internationalen Steuerrecht.
Was ist das Territorialitätsprinzip?
Das Territorialitätsprinzip, auch als Quellenlandprinzip bezeichnet, ist ein steuerrechtliches Grundprinzip, das die Besteuerung auf Einkünfte beschränkt, die der Steuerpflichtige innerhalb eines bestimmten Staatsgebiets erzielt. Es steht im Gegensatz zum Welteinkommensprinzip, bei dem eine Person oder ein Unternehmen mit ihrem weltweiten Einkommen der Besteuerung des (Wohn-)Sitzstaats unterliegt.
Nach dem Territorialitätsprinzip wird das Einkommen nur in dem Land besteuert, in dem es tatsächlich erwirtschaftet wurde. Daher erhebt der Staat nur Steuern auf Einkünfte, die aus Quellen innerhalb seiner Grenzen stammen. Das bedeutet, dass Einkünfte, die ein Steuerpflichtiger im Ausland erzielt, der Besteuerung im Inland nicht unterliegen. Dieses Prinzip wenden häufig Länder an, die ein sogenanntes „territoriales Steuersystem“ haben, wie etwa Hongkong, Singapur oder Panama. In Deutschland gilt das Territorialitätsprinzip für beschränkt Steuerpflichtige (beispielsweise nach § 2 KStG). Bei unbeschränkter Steuerpflicht hingegen gilt das Welteinkommensprinzip.
Für Unternehmen bedeutet das, dass nur Gewinne aus inländischen Tätigkeiten steuerpflichtig sind. Ausländische Einkünfte, beispielsweise aus Niederlassungen oder Betriebsstätten im Ausland, bleiben von der Steuer im Inland unberührt. Auch für natürliche Personen gilt das Territorialitätsprinzip. Einkommen aus dem Ausland, etwa aus Immobilien oder Dividenden, wird nicht in ihrem Wohnsitzland besteuert, sondern nur in dem Land, in dem es entstanden ist.
Ein Vorteil dieses Prinzips ist die Vermeidung der Doppelbesteuerung, da Einkünfte nur ein Land – das Quellenland – besteuert. Dies vereinfacht das Steuersystem und macht es attraktiver für Unternehmen und Privatpersonen, die internationale Einkünfte erzielen. Das Territorialitätsprinzip fördert auch ausländische Investitionen, da Steuerpflichtige ihre ausländischen Einkünfte nicht doppelt versteuern müssen.
Das Territorialitätsprinzip unterliegt jedoch auch Kritik, da es die Steuervermeidung erleichtern kann. Steuerpflichtige könnten ihre Einkünfte in Länder mit niedrigen oder keinen Steuersätzen verlagern, um ihre Steuerlast zu minimieren. Dies führt zu einem Wettbewerb zwischen Ländern, die durch niedrige Steuersätze Kapital anziehen möchten.
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